02.08.2018 Kategorie: Innung München

Goldene Zeiten für die Ausbildung und Chancen für die Betriebe


Auftritt auf Facebook: was im Zusammenhang mit der Ausbildung passiert, wird auch verbreitet

das neue und somit fünfte Plakat mit den Gesellenstücken 2018 gibt es bei der Freisprechung

Das Thema Ausbildung beschäftigt die Vorstände und die Geschäftsstelle mehr denn je. Völlig gegen den Trend im Handwerk boomt der Ausbildungsmarkt der Münchner Schreiner gerade zu. Waren es 2015 noch gerade mal 60 Lehrverträge, die bis Anfang September bei der Innung registriert waren, so wird diese Zahl inzwischen bereits Anfang August erreicht. Glaubt man der Prognose, die sich aus den Aufzeichnungen seit 2015 ergibt, könnte das bedeuten, dass in diesem Jahr bis September über 100 Ausbildungsverträge bei der Innung eingehen werden. Der Geschäftsführer der Innung versucht dies zu erklären und sieht verschiedene Gründe für den enormen Zuwachs: „die Arbeit des FSH bei der Azubiwerbung ist großartig und wir in München nutzen alle Mittel, die uns zur Verfügung stehen,  in unserer Darstellung des Berufs auf Messen und in Schulen“.  Außerdem  geht er davon aus, dass gut präsentierte Veränderungen in der Ausbildung, wie etwa der Bau der Longboards im Oberflächenkurs oder das „Münchner Modell“ Wirkung zeigen. Präsentiert auf Facebook konnten damit im letzten Sommer in kürzester Zeit über 10.000 Zugriffe verzeichnet werden und das scheint auch an der Zielgruppe nicht vorbei zu gehen. Vorstand Marcus Haider leiste hier im Bereich der social-media wirklich einiges, bestätigt Wein.

Außerdem erkennt er auch die Veränderung in der Tarifpolitik des Landesverbandes. Früher galt nur der „günstigste“ Abschluss als Erfolg, aber seit einigen Jahren ist zu erkennen, dass sich der Schreiner vom niedrigsten Niveau in das obere Mittelfeld bewegt hat. Am meisten über fehlende Azubis klagten derzeit die Berufe, die schlechte Arbeitszeiten bei niedrigstem Lohnniveau vereinen. „Wenn in München im Jahr jetzt 6 statt 4 Metzger ausgebildet werden, ist das eine Steigerung von 50% aber sicher nicht die Sicherung des Berufsstandes“, meint er. Im Vergleich der Ecklöhne bewegt sich der Schreiner aktuell bei ca. 16 Euro und somit deutlich  über der Lebensmittel- und Gesundheitsbranche und mit vielen Metallberufen gleich auf. Lediglich die speziellen Autoberufe und der klassische Bau liegen noch höher und das sei bei vielen Berufen vielleicht auch gerechtfertigt. Die Aufgabe der Betriebe ist es jetzt, auch beim Kunden realistische Preise durchzusetzen, nach dem Motto „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Auch im Vorstand ist das immer wieder Thema, denn mit dem Ecklohn von 17 Euro ist der Stundensatz eines Mechatronikers, der schnell bei 120 Euro liegt, nicht zu erklären. „Die Branche ist sich einfach einiger als wir“, meint Wein, „da sollten wir uns mal eine Scheibe abschneiden“. Zumindest käme es bei VW, Ford, BMW und auch allen Anderen nicht mehr vor, dass Stundensätze von 30 Euro angeboten würden.

Zurück zum Thema der Azubis bedeutet der Anstieg auch für die Innung Veränderungen. Mit Dominik Chilik wurde neben Franz Jankovsky und Bernhard Treiterer ein dritter Ausbilder eingestellt, denn mehr Azubis bedeuten auch mehr Oberflächen- und Maschinenkurse. Auch die Ausbildung der Innung selbst ist konstant hoch, im September werden 8 neue Azubis erwartet, eventuell könnten es sogar noch 10 werden.

Da aber auch die Betriebe schon deutlich mehr Plätze anbieten als noch vor einigen Jahren, versucht die Innung weitere Möglichkeiten der Motivation zu schaffen. Hier wird von Anfragen, ob das Förderprogramm fit-for-work wieder aufgenommen werden kann (hier wurden bis 2014 zusätzliche Ausbildungsplätze gefördert) über Gespräche mit der Stadt und den Ministerien alles versucht, derzeit aber noch ergebnisoffen. Was wir bereits haben, ist die Zusage der zuständigen Münchner Referatsleitung Beatrix Zurec, sich des Problems anzunehmen. Diese hat sich Obermeister Plaschke persönlich beim Gespräch der Münchner Innungen mir der Stadt München eingeholt.

Bei der Anfrage, ob das Fritz-Hammerl-Haus die steigenden Zahlen noch verkrafte, kann Wein aber beruhigen: „Fritz hat das Haus damals für bis zu 150 Azubis pro Jahr ausgelegt, langfristig mit noch mehr zu rechnen, wäre wohl etwas zu optimistisch“.